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… und was bringt das überhaupt?


Da will man eigentlich nur mit dem Gärtnern anfangen und schon stolpert man beim Einlesen ständig über irgendwelche seltsamen Begriffe. Pikieren, Fruchtfolge, und Mischkultur sind solche Kandidaten – und auch Mulchen gehört zu diesen undurchsichtigen Vokabeln. Um was es bei diesem Begriff genau geht und inwiefern deine Beete und Töpfe davon profitieren, erfährst du hier.

Mulchen, liest man, sei das Allheilmittel schlechthin. Bei trockenem Boden. Bei nährstoffarmem Boden. Bei unkrautüberwuchertem Boden.

Stimmt das?

Eine Mulchschicht verhindert, dass die Erde zu schnell zu viel Feuchtigkeit verliert. Außerdem haben Regenwürmer & Co. so immer was zu Knabbern und lassen vor lauter Begeisterung Humushäufchen da. Stimmt also. Mulch drauf und gut. Fragt sich jetzt nur noch: Wie macht man das?

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Der Regenwurm sagt Danke: Mit einer Mulchschicht bereitest du den kleinen Bodenverbesserern eine reichhaltige Mahlzeit, die sie wiederum in feinsten Humus verwandeln.

Wie geht denn jetzt Mulchen?

Eigentlich ist es ganz einfach: Mulchen bedeutet nichts anderes, als eine Schutzschicht auf leeren Beeten oder zwischen Pflanzreihen auszubringen. Lässt man die Erde nackig liegen, dann ist diese Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Die Sonne trocknet den Boden aus, der Wind pustet die wertvolle Humusschicht davon und der Regen wäscht die Nährstoffe aus dem Erdreich und verschlämmt sie zudem.

Nackte Erde ist also der pure Wahnsinn. Wer erfolgreich und biologisch gärtnern möchte, halte seine Beete immer züchtig bedeckt – und zwar mit einer schützenden Mulchschicht (woraus diese bestehen kann, erfährst du weiter unten).

Dazu gehst du folgendermaßen vor:

1. Allgemein

  • den Boden jäten und oberflächlich hacken
  • nochmal gut gießen
  • angetrockneten Mulch wenige Zentimeter dick auf die Erde legen (zu viel erstickt den Kompostiervorgang und fördert Schimmel und Fäulnis)
  • evtl. Steinmehl, Algenkalk, organischen Dünger oder Kompostbeschleuniger hinzugeben, um den Vorgang zu beschleunigen und die Masse mit weiteren Nährstoffen anzureichern
  • Mulchmaterial auffüllen, sobald dieses fast verrottet ist

2. Gute Mulch-Zeitpunkte im Gartenjahr

  • Spätsommer/Herbst: Alle freien Beete mit einer Mulchschicht überziehen, dabei wie unter „Allgemein“ beschrieben vorgehen
  • Winter: Mulchschicht einfach liegenlassen
  • Frühling: ca. 1 Woche vor der Aussaat die Mulchschicht beiseiteschieben, damit sich der Boden darunter schneller erwärmen kann. Aussaat ausbringen, Pflänzchen zehn Zentimeter hoch wachsen lassen und erst dann wieder mulchen; bis dahin hacken und Beikraut jäten
  • Sommer: immer schön nachmulchen, v.a. auch zwischen den Pflanzreihen Mulch ausbringen

Übrigens: Mulchen funktioniert nicht nur auf Gartenbeeten hervorragend, sondern auch auf Hochbeeten und in Pflanzkübeln.

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Links: bedeckte, also geschützte Erde mit Grasschnitt. Rechts: nackte Erde, schutzlos dem Wetter ausgliefert. 

Mit was kann man Mulchen?

Getrockneter Rasenschnitt, Hackschnitzel, Heil- und Gewürzkräuter, Brennnessel, Beikräuter, Laub, Stroh, Heu, Holzspäne, Papier, Pappe, Schafwolle – das alles eignet sich als Mulchschicht. Hier eine kurze Übersicht über die Eigenschaften, die diese unterschiedlichen Materialien mitbringen:

  • Rasenschnitt: Wenn du deinem Rasen einen Haarschnitt verpasst, kannst du die gefallenen Grashalme antrocknen lassen und als kostenlosen Mulch zwischen deinen Gemüsepflanzen ausbringen. Antrocknen ist deshalb sinnvoll, weil frisches, nasses Gras sonst zu einer Grashalm-Autobahn für Schnecken wird, die auf feuchtem Untergrund schnell zum Gemüse rutschen. Außerdem gibt das Gras beim Zersetzen Stickstoff an den Boden ab, was natürlich super ist, da Pflanzen das Element zum Wachsen brauchen.
  • Hackschnitzel: Hackschnitzel lassen sich gut mit dem Grasschnitt kombinieren. Sie verhindern, dass die Decke aus Grashalmen fault. Ein weiterer Vorteil: Schnecken kriechen nicht gerne über die scharfkantigen Holzstückchen hinweg. Die Kombination ist auch deshalb gut, weil Hackschnitzel kaum Stickstoff an den Boden abgeben, dafür aber das Gras diese Aufgabe übernimmt.
  • Heil- und Gewürzkräuter, Brennnessel: Diese drei Kandidaten sind gut als Mulchschicht geeignet, da sie zusätzlich durch ihre Inhaltsstoffe dem Boden guttun. Brennnessel ist zudem eine Leibspeise der Regenwürmer – und gefütterte Regenwürmer heißt: mehr Humus.
  • Beikräuter: Endlich ein Grund, sich über Giersch, Vogelmiere, Schöllkraut und Co. zu freuen – wenn man sie nicht essen oder als Heilpflanzen nutzen will, kann man sie immer noch zur Schutzschicht degradieren. An einem sonnigen Tag werden die unerwünschten Beetbesucher gejätet und einfach auf der Erde liegengelassen. Hier musst du darauf achten, dass die Kräuter noch keine Samen ausgebildet haben, sonst verteilst du sie in deinem ganzen Garten. Zudem sollten die Wurzeln frei liegen, damit sie nicht wieder anwachsen können. Ein sonniger Tag ist aus demselben Grund wichtig: Bei Regenwetter gelingt es den Unausrottbaren, wieder Fuß zu fassen, Sonne hingegen lässt die Wurzeln austrocknen.
  • Laub: Ja! Endlich! Ein (weiterer) guter Grund, alle Laubbläser der Welt auf den Schrottplatz zu bringen: Laub verrottet von allein, verwandelt sich in Humus und schützt den Boden rund um Bäume und Beerensträucher. Zudem bietet ein Laubhaufen Igeln Unterschlupf, die sich gerne für uns auf Schneckenjagd begeben. Da Laub jedoch (wie auch Rindenmulch) Gerbsäure freisetzt, die Gartenpflanzen im Wachstum behindert, darf es nicht aufs Gemüsebeet. Tabu sind vor allem Holunder-, Eichen-, Buchen- und Walnussblätter und solche von Nadelbäumen.
  • Heu, Stroh und Holzspäne: Heu verhindert z. B. bei Zucchini und Co., dass die Früchte direkt auf der nassen Erde liegen und schnell zu faulen beginnen. Deshalb legt man auch Stroh oder Holzspäne unter Erdbeeren, um die roten Zuckerfrüchte vor Bodenkontakt und damit vor allzu schnellem Schimmelbefall zu schützen. Diese düngen die Erde erst dann, wenn sie verrotten.

Achtung: Schnecken finden Heu und Stroh prima, da sie sich darunter gut verstecken können. In einem schneckenreichen Garten also lieber zu Hackschnitzeln greifen.

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Die Mulchschicht sollte man nicht zu dick machen, damit das Material gut verrotten kann.
  • Papier und Pappe: Wer hätte gedacht, dass Mulchen auch die Papiertonne entlasten kann? Das gute alte Zeitungspapier haben Regenwürmer zum Fressen gern – vorausgesetzt, die Seiten sind nicht auf Hochglanz gedruckt und frei von Schadstoffen. Ein paar Lagen Zeitung oder eine Schicht Pappe auf die Erde legen, gut angießen, zum Schutz vor dem Wind mit Erde bestreuen, fertig.
  • Schafwolle: Ein Alleskönner: Schafwolle enthält Stickstoff, Kalium, Phosphor und Schwefel und gibt diese wertvollen Inhaltsstoffe nach und nach an den Boden ab. Um damit zu mulchen, zupfst du die Wolle grob auseinander und legst sie um die Pflanzen herum. Der strenge Geruch lässt nach ein paar Tagen nach – für Menschen. Nicht aber für Schädlinge. Schnecken und andere nervige Mitesser mögen Schafwolle nicht. Der Schutz durch die Wolle hält aber nur bis zum nächsten kräftigen Regen. Ist die Wolle einmal nass und fällt in sich zusammen, können auch Schnecken wieder drüber kriechen.

Was bringt Mulchen?

Vor allem im Winter sind dir die Bodenorganismen für die wärmende Schutzschicht dankbar. Da es ihnen durch den Mulch nicht so kalt wird, können die Mikroorganismen ihren Tätigkeiten auch im Winter nachgehen. Im Sommer erspart dir die Schicht das allzu häufige Schleppen von Gießkannen, da die Feuchtigkeit darunter erhalten bleibt. Zudem bleiben die Früchte und Pflanzen beim Bewässern sauber, da durch den Mulch keine Erde hochspritzen kann – Pilzsporen können sich somit viel schlechter breitmachen.

Regenwürmer und Mikroorganismen verbessern deinen Gartenboden, indem sie nach und nach den Mulch in besten Humus umwandeln. Auch Kohlensäure wird dabei hergestellt, die die Pflanzen für besonders üppiges Wachstum dringend brauchen.

Ein weiterer Vorteil: weniger Beikraut jäten! Denn unter der Mulchschicht erstickt unerwünschter Wildwuchs.

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