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Manche mögen’s heiß – und andere lieber kalt. Es gibt Samen, die einen Kältereiz mit Temperaturen von -4–4 °C brauchen, um keimen zu können. Diese Kaltkeimer sät man im Herbst oder Winter aus, wenn man sie im darauffolgenden Jahr im Garten oder Topf haben möchte. Dazu zählen Bärlauch, Mädesüß, Frauenmantel, Alpenveilchen, Veilchen, Glockenblumen, Christrosen, Schlüsselblume, Lavendel und viele mehr.  

Schon verrückt: Anstatt Wärme brauchen Kaltkeimer einen Kältereiz, um zu keimen. Deswegen sät man diese Samen nicht im Frühjahr oder Sommer aus, sondern wartet auf den Herbst und Winter. Dann kann man die Natur für sich arbeiten lassen. Es gibt auch einen Trick: Im Kühlschrank kann man den Samen vorgaukeln, es sei Winter, und sie so im Frühjahr zum Austreiben bringen. Doch der Erfolg bei dieser Methode ist nicht garantiert, da Pflanzensamen zum Beispiel unterschiedlich lange Kälteperioden beziehungsweise Temperaturen brauchen oder vorausgehende warme Phasen. Ausprobieren kann man es aber trotzdem – schließlich gehören Experimentierlust, Neugier und Optimismus zum Gärtnern dazu.

Kaltkeimer, Kältereiz, Keimruhe

Bei Kaltkeimern läuft es ganz grob so ab: Eine Pflanze blüht, bildet Samen und lässt diese meist im Frühherbst auf den Erdboden fallen. Dort liegen die Samen erst noch bei milden Temperaturen herum, bis sie sich im Spätherbst an fallende Gradzahlen gewöhnen. Schließlich kommt der Winter und beschert den Samen den Kältereiz, den sie brauchen. Der Kältereiz nämlich bricht die Keimruhe (Dormanz). Diese entsteht durch wachstumshemmende Stoffe im Samen. Sie soll verhindern, dass der Samen direkt nach natürlicher Aussaat im Frühherbst aufgeht und die frostempfindliche Jungpflanze im Winter erfriert. Der Kältereiz sorgt für einen langsamen, schrittweisen Abbau der wachstumshemmenden Stoffe. Im Frühjahr oder manchmal auch erst Sommer, wenn die Temperaturen für sie richtig sind, treiben die Samen dann aus.


Im Balkonkasten können Kaltkeimer den Winter verbringen. Schnee schützt sie vor Austrocknung und Frost.

Wie sät man Kaltkeimer aus?

Wenn du Kaltkeimer selbst aussäen willst, gibt es dafür unterschiedliche Vorgehensweisen:

  1. Aussaat Herbst/Winter im Beet: Samen an vorbestimmten Ort aussäen. Angießen. Die Natur übernimmt die restliche Arbeit und bestimmt durch die Temperaturen, wann die Samen keimen. Sollte es schneien, keine Sorge: Eine Schneedecke auf den ausgesäten Samen ist von Vorteil, da sie Temperatur (optimal -4–4 °C) und Feuchtigkeit stabil hält.
  2. Aussaat Herbst/Winter Balkon: Samen über Nacht im warmen Wasserbad quellen lassen. Am nächsten Tag im vorgesehenen Abstand auf Blumentöpfe/Balkonkästen mit Anzuchterde verteilen, je nach Samenart (Lichtkeimer/Dunkelkeimer) mit etwas feiner Erde übersieben. Mit Ballbrause angießen. An einen windgeschützten Ort stellen, am besten in den Halbschatten. Gitter oder Hasendraht darüberlegen, um vor Vogelfraß zu schützen. Die nächsten Monate bis zur Keimung stets leicht feucht halten.
  3. Aussaat Herbst/Winter Anzuchtschale:

Du brauchst:

  • Anzuchtschale
  • Anzuchterde
  • Flaches Holzstück, um Samen anzudrücken
  • Sprühflasche/Ballbrause
  • Ggf. Sieb
  • Draht oder Vlies

Vorgehensweise:

  1. Lasse deine Samen über Nacht in einem warmen Wasserbad quellen.
  2. Befülle deine Anzuchtschale mit Anzuchterde bis ca. 1 cm unter den Rand.
  3. Drücke die Erde leicht an.
  4. Säe die Samen in Reihen aus, um sie nach der Keimung besser erkennen zu können.
  5. Vorsichtig die Samen mit einem flachen Holzstück andrücken. Nicht zu viel Kraft verwenden, Erde soll locker bleiben, um Wasser und Sauerstoff aufnehmen zu können.
  6. Hast du Dunkelkeimer ausgesät, musst du noch eine dünne Schicht Erde darüber sieben.
  7. Mit Sprühflasche oder Ballbrause anfeuchten.
  8. Vlies oder Gitter als Vogelschutz darüberlegen.
  9. Nach draußen an einen wettergeschützten Ort stellen.
  10. Feucht halten.

4.  Aussaat Frühjahr, Kühlschrank: Wenn der Winter zu mild ist und über keine ausreichend lange Kälteperiode verfügt oder du im Frühling aussäen willst, kannst du die Samen auch für ein paar Wochen in den Kühlschrank stellen. Dein Kühlschrank muss eine Temperatur von 0–5 °C aufweisen (in den Halterungen an der Kühlschranktür innen beträgt die Temperatur meist nur 8 °C). Deine Samen legst du ebenfalls über Nacht in ein warmes Wasserbad. Dann kommen sie in eine Anzuchtschale mit Anzuchterde oder auf ein Gemisch aus Pflanzerde und Sand. Drücke sie vorsichtig mit einem Stück Holz an. Ob du noch eine dünne Schicht Erde darüber sieben musst, hängt davon ab, ob es sich bei deinen Samen um Lichtkeimer (keine extra Schicht Erde) oder Dunkelkeimer handelt. Sobald du ausgesät hast, befeuchtest du das Ganze mit einer Sprühflasche oder einer Ballbrause. Bei der Kühlschrankmethode entfällt das Gitter natürlich. Stattdessen legst du eine Folie über die Anzuchtschale, um den Feuchtigkeitsverlust zu verlangsamen. Denn auch bei dieser Methode musst du sicherstellen, dass deine Samen nicht austrocknen.

Hinweis 1: Wenn du in deinem Kühlschrank keinen Platz für eine Anzuchtschale hast oder die Pflanzen im Frühjahr ohnehin nicht in Schalen vorziehen möchtest, kannst du die Samen auch zusammen mit etwas Sand und Erde in ein verschließbares Gefäß geben und so in den Kühlschrank stellen.

Hinweis 2: Das Gefrierfach ist zum Brechen der Keimruhe übrigens nicht geeignet, da es viel zu schnell viel zu kalt ist.

Nach ein paar Wochen Kühlschranklagerung entnimmst du die Anzuchtschale und stellst sie an einen hellen Ort, der eine Temperatur von 5–12 °C aufweist. So gewöhnen sich die Samen langsam wieder an die Wärme und bekommen das Signal gesendet: „Frühling, ich darf wachsen!“. Dennoch ist etwas Geduld gefragt, denn abhängig vom Samen kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis du das erste zarte Grün siehst.

Im Frühling wachsen die Kaltkeimer, sobald die Temperaturen für sie angenehm sind.

Kaltkeimer in unseren Wachsenden Kalendern

Übrigens: Obwohl manche Samen Kaltkeimer sind, können sie auch in der warmen Jahreszeit ausgesät werden. Das liegt daran, dass sie von den Herstellern vorbehandelt wurden. Die Keimruhe wurde künstlich gebrochen und die Saat fängt sofort an zu keimen, sobald sie in die Erde kommt.

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