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Wie kann das sein? Du hast deine Pflanzen nach allen Regeln der Kunst bewässert, hast mühsam Unkraut gejätet und alles fleißig gedüngt, und trotzdem sind deine Erträge so gering, dass du damit kaum die Schnecken in deinem Garten ernähren kannst. Dieser Artikel hilft dir, schon bei der Beetplanung für gesunde Pflanzen mit hohen Erträgen zu sorgen, indem du die Prinzipien des Fruchtwechsels und der Mischkultur anwendest.

Das erwartet dich:


Die Maßnahmen bei Schädlingsbefall und mickrigen Tomaten gehen oft in Richtung Pflanzenschutzmittel und Düngung – doch die wenigsten kommen auf die Idee, dass die eigentliche Lösung in der Beetplanung liegt. Wenn du dir hier etwas Zeit nimmst und ein paar Dinge beachtest, kannst du nicht nur Schädlingen zuvorkommen, sondern auch mit weniger Arbeit mehr ernten.

Wie du das anstellst? Fruchtfolge und Mischkultur sind zwei mögliche Herangehensweisen bei der Beetplaung. Die wichtigsten Größen sowohl in der Mischkultur als auch beim Fruchtwechsel sind der Nährstoffbedarf von Pflanzen und die Pflanzenfamilien.

Der große Unterschied zwischen Mischkultur und Fruchtwechsel: Die Mischkultur betrachtet die beiden Größen innerhalb eines Beetes (räumliche Beetplanung), beim Fruchtwechsel hingegen planst du dein Beet übe mehrere Jahre hinweg (zeitliche Beetplanung).


Zeitliche Beetplanung: Fruchtwechsel und Fruchtfolge

Seinen Ursprung hat der Fruchtwechsel in der Jahrtausende alten Anbauweise der Vierfelderwirtschaft. Schon unseren Vorfahren fiel auf, dass manche Pflanzen den Boden stark auslaugen. Deshalb bauten sie Pflanzen mit niedrigem und solche mit hohem Nährstoff- bzw. Stickstoffbedarf im Wechsel an. Seitdem findet diese Erkenntnis in der Landwirtschaft Anwendung: Auf ein Jahr der Brache oder eine Gründüngung folgen im ersten Jahr Starkzehrer, im zweiten Jahr Mittelzehrer und im dritten Jahr Schwachzehrer, bevor dem Feld und dem Bodenleben wieder ein Jahr Erholung gewährt wird.

Stehen mehrere Felder zur Verfügung, kann der Wechsel in einer jährlichen Rotationsbewegung erfolgen:

Grafik Fruchtwechsel und Vierfelderwirtschaft: Feld 1 Gründüngung aus Feldsalat und Klee, Feld 2 Schwachzehrer (Rucola, Erbsen, Erdbeeren, Bohnen), Feld 3 Mittelzehrer (Rote Beete, Salat, Möhren, Kohlrabi), Feld 4 Starkzehrer (Tomante, Blumenkohl, Zucchini, Paprika). Die Bepflanzung rotiert jeweils jährlich ein Feld weiter (mit Pfeilen dargestellt)
Die Grafik zum Fruchtwechsel funktioniert auch nach dem Prinzip der Mischkultur, du kannst also die dargestellten Gemüsesorten reihenweise in einem Mischkulturbeet anbauen und in den Folgejahren entsprechend in der gleichen Reihe, aber in einem anderen Beet anbauen: Zum Beispiel folgt in Feld 4 auf eine Reihe Paprika im nächsten Jahr eine Reihe Kohlrabi. Paprika werden dann auf dem Gründüngungsbeet (Feld 1) angebaut.

Im privaten Garten gibt es keine Felder, aber Beete. Auf diesen kann man ebenfalls eine "Vierfelderwirtschaft" betreiben. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Fruchtwechsel und Fruchtfolge. Beide Begriffe werden oft synonym verwendet, haben aber unterschiedliche Bedeutungen.

Der Fruchtwechsel bezeichnet den Wechsel von Stark-, Mittel- und Schwachzehrern über mehrere Jahre hinweg.  Man teilt das Beet in vier gleich große Felder ein und baut nacheinander Gründüngung, Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer an.

Wer nicht so viel Platz hat, kann das System auch auf drei Felder reduzieren. Man lässt dann die Gründüngung weg und düngt stattdessen zwischen Schwach- und Starkzehrern mit Kompost und vor allem Mist.

Die Fruchtfolge funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip, spielt sich aber zeitlich innerhalb einer Anbausaison ab.  Innerhalb eines Jahres gibt es also:

  • eine Vorkultur (Schwachzehrer oder Mittelzehrer), die im Frühjahr angebaut wird,
  • eine Hauptkultur (Starkzehrer oder Mittelzehrer) im Sommer, die am längsten auf dem Beet steht
  • und eine Nachkultur (Mittelzehrer oder Schwachzehrer) im Herbst und Winter.

Wieder werden die Pflanzen so ausgewählt, dass auf Starkzehrer Schwach- oder Mittelzehrer folgen. Besteht die Hauptkultur aus Schwachzehrern, so sollten in der Vor- oder Nachkultur keine Starkzehrer angebaut werden. Im Fruchtwechsel sind im Folgejahr ohnehin Starkzehrer an der Reihe, die auf die Nährstoffreserven angewiesen sind.

Grafik Fruchtfolge, Beispiel Hauptkultur Sommer (Starkzehrer): Tomaten, Blumenkohl, Zucchini, Paprika; Vorkultur Frühjahr (Schwachzehrer): Radieschen, Feldsalat, Portulak, Rucola; Nachkultur Herbst (Mittelzehrer): Rüben, Radicchio, Herbstkohlrabi, Mangold.
Wie in der Grafik zum Fruchtwechsel haben wir auch hier das Prinzip der Mischkultur integriert. Ein Gemüsebildchen steht jeweils für eine Reihe. Beide Grafiken lassen sich kombinieren.

Neben dem Nährstoffbedarf solltest du bei der Planung von Fruchtwechsel und Fruchtfolge besonders die Pflanzenfamilien berücksichtigen. Werden direkt hintereinander dieselben Pflanzen oder Mitglieder derselben Pflanzenfamilie angebaut, können sich Krankheiten und Schädlinge leichter ausbreiten. Außerdem wird der Boden einseitig mit bestimmten Substanzen angereichert, die eine Pflanze über die Wurzeln ausscheidet. Auch bei Leguminosen (also Bohnen, Erbsen, Klee etc.) musst du aufpassen: Bau sie nicht jahrelang an derselben Stelle an, sonst reichern sie zu viel Stickstoff an.


Fruchtfolge und Fruchtwechsel im Hochbeet und auf dem Balkon

Im Allgemeinen benötigen Topf- und Hochbeetpflanzen zwar mehr Nährstoffe als ihre Schwestern und Brüder im Freiland; trotzdem musst du nicht nach jeder Pflanze die Erde erneuern und düngen. Selbst in einem Topf oder Kübel kannst du mit Fruchtfolge und Fruchtwechsel experimentieren, zum Beispiel:

Jahr 1:

Frühjahr: Düngung (z.B. Kompost oder organischer Dünger) oder Gründüngung (Klee)

Sommer: Hauptkultur (Starkzehrer: Tomaten)

Herbst: Nachkultur (Schwachzehrer: Feldsalat)

Jahr 2:

Frühjahr: Vorkultur (Mittelzehrer: Kohlrabi)

Sommer: Hauptkultur (Starkzehrer: Mini-Gurke)

Herbst: ggf. Nachkultur (Schwachzehrer: Spinat)

Jahr 3:

Frühjahr: Hauptkultur (Schwachzehrer: Erbsen)

Spätsommer: Nachkultur (Schwachzehrer: Kerbel)


Räumliche Beetplanung: Mischkultur

Bei der Mischkultur baut man gleichzeitig verschiedene Pflanzen nebeneinander an, was folgende Vorteile bietet:

  • Der vorhandene Raum wird perfekt ausgenutzt(in der Höhe, Breite und Tiefe)
  • Dichte Bepflanzung hält Feuchtigkeit im Boden und unterdrückt Unkraut
  • Bestimmte Pflanzen begünstigen sich gegenseitig (z.B. Schädlingsabwehr durch Duftstoffe)
  • Licht, Wasser und Nährstoffe werden ideal verteilt

Auch in der Mischkultur gilt es vor allem darauf zu achten, Mitglieder einer Pflanzenfamilie nicht direkt nebeneinander anzubauen, da sich Krankheiten und Schädlinge dann leichter ausbreiten.

Außerdem solltest du Tief- und Flachwurzler abwechseln, da Tiefwurzler Nährstoffe und Wasser aus tieferen Bodenschichten erreichen können. Schnell wachsende Pflanzen solltest du hingegen nicht mit langsam wachsenden kombinieren, da die Stärkeren den Nachzüglern sonst schnell Licht und Nahrung streitig machen.

Ideal wäre es, Stark-, Mittel- und Schwachzehrer in einem Beet zu mischen. Die Schwierigkeit dabei: Will man eine bunte Mischkultur anlegen, wird es sehr kompliziert, zusätzlich einen ausreichenden Fruchtwechsel einzuhalten, sowohl im Hinblick auf den Nährstoffbedarf als auch auf die Pflanzenfamilien.

Doch es gibt einen einfachen Trick, wie es dir dennoch gelingt: In der Mischkultur setzt du besser Pflanzen mit ähnlichem Nährstoffbedarf in ein Beet als Mitglieder einer Pflanzenfamilie. So behältst du den Überblick über den Fruchtwechsel und schaffst bei der räumlichen Beetplanung Freiräume für einen bunten Mix verschiedener Pflanzenfamilien.

Beispiel:

Jahr 1: Hauptsächlich Starkzehrer (Kreuzblütler: Blumenkohl, Kürbisgewächse: Zucchini, Doldenblütler: Karotten)

Jahr 2: Hauptsächlich Mittelzehrer (Fuchsschwanzgewächse: Rote Beete, Nachtschattengewächse: Aubergine, Lauchgewächse: Zwiebeln, Doldenblütler: Haferwurzel)

Jahr 3: Hauptsächlich Schwachzehrer (Schmetterlingsblütler: Erbsen, Korbblütler: Feldsalat)

Jahr 4: Gründüngung (verschiedene Blumen)

Dicht bepflanztes Mischkulturbeet: Brokkoli im Vordergrund, dahinter Zucchini, dazwischen Schnittsellerie und Salat im Hintergrund
In diesem Beet wurden Starkzehrer aus verschiedenen Pflanzenfamilien gemischt: Kohl, Zucchini und Sellerie.

Einfache Mischkulturen zum Ausprobieren findest du in unserem Artikel „Gute Nachbarn, schlechte Nachbarn – Pflanzenfamilien bei der Beetplanung“.


Mischkultur im Hochbeet

Im Hochbeet ergibt sich oft von selbst eine Mischkultur, da alles auf engem Raum nebeneinandergesetzt wird. Für dauerhaft hohe Erträge solltest du auch hier auf gute Nachbarschaft und ausreichenden Fruchtwechsel achten.

Wenn du ein neues Hochbeet anlegst, kannst du im frischen und nährstoffreichen Humusboden Stark- und Mittelzehrer wie Paprika, Brokkoli, Gurken und Salat (im Winter auch Wintersalat wie Endivie) anpflanzen. Mische dabei verschiedene Pflanzenfamilien. Im zweiten Jahr kannst du dann Mittelzehrer anderer Pflanzenfamilien wie Möhren und Rote Beete aussäen, Salat beispielsweise kannst du meist ohne Probleme mehrmals hintereinander anbauen. Vorsicht ist wie immer bei Kohlgewächsen geboten. Pflanze Weiß- und Rotkraut, Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Rettich, Radieschen, Rucola, Senf, etc. nicht zu dicht nebeneinander und vermeide es auch, sie aufeinanderfolgen zu lassen.

Solltest du Krankheits- oder Schädlingsbefall feststellen, musst du auch im Hochbeet eine Kulturpause einlegen und für ein paar Jahre keine Mitglieder derselben Pflanzenfamilie anbauen. Schimmelsporen und die Larven vieler Schädlinge überwintern im Boden und werden im kommenden Jahr wieder in deinem Beet zu Tisch kommen. Alternativ kannst du die Erde auswechseln und neue Eindringlinge aus der Luft mit engmaschigen Kulturschutznetzen fernhalten.


Mehrjährige Pflanzen in der Mischkultur

In einer Mischkultur ist es sinnvoll, auch mehrjährige Pflanzen anzubauen. Sie sind besser an ihren Standort angepasst, erlauben zum Teil eine mehrmalige Ernte, sind pflegeleichter und erreichen mit ihren Wurzeln selbst tiefergelegene Wasser- und Nährstoffspeicher. Manche Pflanzen säen sich auch gerne selbst aus und verbleiben so über viele Jahr an demselben Standort. Andere bilden erst im zweiten Jahr Blüten, Früchte oder Samen und stehen deshalb länger im Beet. Hier musst du die Mischkultur entsprechend anpassen und nur solche einjährigen und mehrjährigen Pflanzen als Beetnachbarn wählen, die sich gut miteinander vertragen.

Bei starkzehrenden mehrjährigen Pflanzen wie Rhabarber oder Spargel kannst du beispielsweise in einer Mischkultur Bohnen, Ringelblumen oder Phazelia pflanzen, um ihnen ausreichend Nährstoffe zur Verfügung zu stellen und Schädlinge fernzuhalten. Nach spätestens sieben Jahren Anbauphase solltest du deinem Boden allerdings ein paar Jahre Erholung von den mehrjährigen Starkzehrern gönnen und in dieser Zeit nur Schwach- und Mittelzehrer anbauen.

Nahaufnahme Rhabarber-Stängel
Rhabarber ist hungrig nach Nährstoffen, und zwar über viele Jahre hinweg. Deshalb pflanzt zu ihn in einer Mischkultur am besten zusammen mit schwachzehrenden Blumen.

Fruchtwechsel oder Mischkultur?

Fruchtwechsel und Mischkultur schließen einander nicht aus. Im Gegenteil: Es ist von Vorteil, beiden Prinzipien Aufmerksamkeit zu schenken und sie in die Beetplanung zu integrieren.

Damit du anfangs nicht überfordert bist, mach dir am besten eine einfache Beetplanung: Beginne mit einer groben Aufteilung nach dem Nährstoffbedarf (z.B. 4 Felder) und kombiniere in der Mischkultur nicht zu viele verschiedene Pflanzen.

Wir haben ein paar Tipps für dich gesammelt, die dir den Einstieg in die Welt der Mischkultur und des Fruchtwechsels erleichtern:

1. Wunschpflanzen auswählen und Saatgut besorgen

2. Beetplan erstellen und in einzelne Einheiten aufteilen (z.B. Beete, Beetabschnitte bzw. Reihen)

3. Große Segmente (Beete) nach dem Nährstoffbedarf unterteilen (Starkzehrer-, Mittelzehrer-, Schwachzehrer- und Gründüngungsbeet)

4. Kleinere Segmente (Beetabschnitte/Reihen) mit jeweils einer Pflanzensorte besetzen und dabei auf gute Nachbarschaft achten (Mischkultur)

5. Mehrjährige Pflanzen zuerst setzen

6. Während der Pflanzung Beetplan ergänzen und vervollständigen

7. Im Folgejahr große Segmente rotieren, also z.B. auf ein Starkzehrerbeet ein Mittelzehrerbeet folgen lassen (Fruchtwechsel)

8. Die kleineren Segmente beibehalten und „mitwandern“ lassen, dabei aber möglichst keine Mitglieder einer Pflanzenfamilie an derselben Stelle anpflanzen

Wenn du also im ersten Jahr in deinem Starkzehrerbeet in einer Reihe Blumenkohl angebaut hast, solltest du im nächsten Jahr im Mittelzehrerbeet in eben dieser Reihe keinen Kohlrabi anbauen, da beide aus der Familie der Kreuzblütler kommen.

Unsere beiden Grafiken oben zu Fruchtwechsel und Fruchtfolge funktionieren auch nach den Prinzipien der Mischkultur. Du kannst die abgebildeten Pflanzen also im Vierjahresrhythmus nacheinander und reihenweise nebeneinander anbauen. Die einzelnen Pflanzensymbole stehen dabei für ein Reihe. In Beet 1 werden beispielsweise Tomaten, Blumenkohl, Zucchini, Kartoffeln reihenweise nebeneinander angebaut, im zweiten Jahr dann an derselben Stelle Rote Beete, Salat, Karotten, Kohlrabi. Im ersten Jahr kann entsprechend der zweiten Grafik eine Vor- und eine Nachkultur angebaut werden.

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